Interview

Kannst Du Dich kurz vorstellen?

„Ich bin Christian Strucks, 43 Jahre und freiberuflicher Fotograf aus Mönchengladbach.“

Kannst Du Dich noch an Dein erstes Foto erinnern? Was war es?

„Mein erstes Foto habe ich als jugendlicher erstellt. Es war eine Aufnahme einer Düne im Urlaub. Das Bild habe ich damals in S/W erstellt. Habe es noch heute…“

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

„Durch die Faszination Momente festzuhalten wie ich sie gesehen habe in dem Moment. Später dann haben mich Fotografen aufmerksam werden lassen, wie der Portrait Fotograf – Peter Hurley, Andreas Gursky, Andreas Jorns, verschiedene Streetfotografen und nicht zuletzt der bereits verstorbene Peter Lindbergh.“

Wann bist Du mit Deiner Arbeit zufrieden?

„Ich bin zufrieden, wenn die Bilder eine Geschichte erzählen des Tages, die Person die ich fotografiere von dem Bild berührt wird, Menschen ein Bild von mir sehen und sich dieses länger ansehen und nicht zuletzt dann, wenn Bilder den Weg an die Wand oder in ein Buch gefunden haben. Erst dann ist ein Bild fertig.“

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Kontakt zum Fotografen aufzunehmen?

„Aus meiner Sicht ist der Zeitpunkt dann gegeben, wenn die Planungen für eine Hochzeit, eine Veranstaltung etc. starten. Denn wenn der Fotograf schon früh einbezogen wird, kann er sich mit dem Thema auseinandersetzen, die Lokation besichtigen um geeignete Bereiche zu finden, sich auf Licht und Flair einstellen was vor Ort herrscht und natürlich ggf. beratend zur Seite stehen.“

Was macht Deiner Meinung nach ein gutes Foto aus?

„Eine gutes Foto muss für mich dem/der Betrachtenden etwas geben. Ein Gefühl, eine Stimmung vermitteln und eine kleine Geschichte erzählen.“

Was gefällt Dir an der professionellen Fotografie am meisten?

„Mit meiner Arbeit, Momente für die Ewigkeit festzuhalten und Menschen eine Freude machen wenn sie die Bilder ansehen. Menschen vielleicht sogar zeigen, dass sie auf Bildern nicht so negativ aussehen wie sie es von sich selbst denken.“

Was ist das Besondere an dem Genre, auf das Du Dich spezialisiert hast?

„Das besondere ist, das ich Menschen dabei helfen kann, ihre wichtigsten Momente im Leben und in Ihren Erinnerungen, auf Dauer greifbar zu halten.“

Welche Details sieht nur ein Profifotograf?

„Auch Profifotografen übersehen mal etwas. Dafür sind wir Menschen und dafür sind die Situationen oftmals sehr kurz und endlich. Was aber ein Fotograf sehen muss in meinen Augen, sind die Gefühle die ein Mensch gerade mit seinem Gesicht zeigt, oder auch die Gefühle zweier Menschen in genau diesem Moment. Ein Foto sollte immer auch die Stimmung ausdrücken, in der man sich mit dem Menschen oder dem Motiv gerade befunden hat.

Das wichtigste ist allerdings oftmals das Licht was vorherrscht in der Situation wo man gerade ist.

Diese Fähigkeit versuche ich immer wieder zu trainieren und zu schärfen. Man hört auch als Profi nicht auf sich zu verbessern.“

Wie bildest Du Dich weiter?

„Durch Bücher, Workshops und Videos die mir als Inspiration dienen und Ideengeber sind.“

Was möchtest Du mit Deinen Fotos ausdrücken?

„Gefühle, einmalige Momente festhalten, den Menschen so zeigen wie er ist.“

Mit welcher Ausrüstung fotografierst Du am liebsten?

„Mit meiner Spiegelreflex Kamera und natürlichem Licht. Blitzlicht kommt in der Regel nur im Studio zum Einsatz, wenn es dort benötigt wird.“

Wie wichtig ist Technik beim Fotografieren?

„Das wichtige ist der Mensch oder das Motiv. Die Technik ist für mich das Werkzeug um ein Bild zu erstellen. Sicherlich sollte die Technik gut sein um das beste Bild erstellen zu können. Aber das Wichtigste ist die Kommunikation – auch da lerne ich immer wieder dazu.“

Was hast Du gemacht, um die ersten Fotoaufträge zu bekommen?

„Ich habe mir eine Mappe erstellt mit den besten Fotos meiner Kinder, Produkten und Portraits und habe mich dann gezielt in KITAs vorgestellt. Die erste Hochzeit habe ich im Freundeskreis fotografiert. Außerdem habe ich versucht durch Aufmerksamkeit, Social Media, kleinere Werbung und vor allem durch Empfehlungen Aufträge zu bekommen.“

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?

„Das ist ein sehr wichtiges Thema. Ich bearbeite grundsätzlich meine Bilder NICHT im Rahmen der Retusche nach. Portraits zu verfälschen im Sinne der Verjüngung von Körperpartien etc. zählt nicht zu meinem Verständnis der Fotografie. Photoshop kommt daher nur extrem selten zum Einsatz. Beispiel: Die Braut eines meiner Hochzeit Shootings, hatte kurz vor der Hochzeit einen kleinen Unfall zu Hause und auf dem Oberarm des ärmellosen Kleid, war ein großer blauer Fleck. Diesen wollte die Braut auf ihren Fotos natürlich nicht sehen. An diesem Punkt habe ich die Bilder (ALLE) bearbeitet, damit dieser Fleck nicht sichtbar ist. Denn in ein paar Wochen, war dieser ja von selbst wieder weg. Jedoch wenn ein Mensch z.B. Pigmentflecken auf der Haut hat, würde ich diese niemals entfernen. Diese gehören zu dem Menschen dazu.

Am Ende beschränke ich mich auf die digitale Entwicklung meiner Bilder. Belichtung, Sättigung der Farben, Konvertieren zu S/W etc. das sind die Bearbeitungen in meinem Prozess.“

Welche Tipps würdest Du einem Hobbyfotografen geben, um bessere Fotos zu machen?

„Mache Dich mit Deiner Kamera vertraut die Du hast – und wenn es nur das Handy ist. Versuche herauszufinden, mit welchen Einstellungen das Werkzeug was Du hast, die besten Bilder macht – aus Deiner Sicht. Suche den Bildstil der Dich beschreibt und der zur Situation passt die Du festhalten möchtest. Lerne mit dem Menschen zu kommunizieren. Ändere Deinen Blickwinkel. Suche das besondere.“

Worin sollten angehende Fotografen und Fotografinnen unbedingt investieren und warum?

„Lerne die Kommunikation mit dem Menschen, dem Modell. Ohne Kommunikation und Verbindung zu den Menschen die Du fotografierst, wird es keine guten Bilder geben.
Investiere in eine solide Kamera mit einem guten Objektiv. Objektive sind aus technischer Sicht immer die höhere Investition wert! Man behält diese auch länger als die Kamera in der Regel. Lege Dich auf einen Hersteller fest.
Investiere Zeit in die Handhabung und das Üben in Bilder um sie stetig besser werden zu lassen.“